Interview

“Ich musste von Null anfangen.” Von Kirgisistan nach Deutschland

Ich liebe Geschichten über Menschen die beeindruckendes erlebt und / oder geschafft haben. Egal ob sie die halbe Welt bereist, in jungen Jahren ein Modellabel gegründet oder sich in einem fremden Land ein neues Leben aufgebaut haben. Die Erzählungen dieser Menschen haben mich schon immer in ihren Bann gezogen, mich inspiriert und motiviert. Ich möchte diese Geschichten mit euch teilen und daher habe ich mich dazu entschlossen regelmäßig Interviews mit inspirierenden Menschen führen, die außergewöhnliches erlebt oder atemberaubendes geschafft haben.


Heute geht es um Maryam K.*. Ursprünglich kommt sie aus dem kriegsgebeutelten Afghanistan und siedelte mit 4 Jahren gemeinsam mit ihren Eltern über nach Kirgisistan. Heute lebt sie in Deutschland und studiert Medizin. Wie schwer es war dieses Ziel zu erreichen erzählt sie mir im Interview.

*Name wurde geändert

Photo by Fancycrave on Unsplash

Wie is deine Kindheit in deinem Heimatland verlaufen?

Maryam: Meine Kindheit war nicht so verwöhnt. Aber dafür hatte ich viele Freunde.

Hast du in deiner Heimat schon fertig studiert und welches Fach?

Maryam: In Kirgisistan habe ich Medizin studiert, aber nur 4 Semester.

Wie kam es dazu, dass du heute in Deutschland lebst?

Maryam:  Nach Deutschland sind wir durch Zufall gekommen, da meine Mama erst in Holland war. Dort wurde sie allerdings abgeschoben und kam dann nach Deutschland. Dann nach paar Jahren bin ich mit meinem Bruder zu ihr gekommen. Ich war natürlich nicht begeistert.


Konntest du mit deiner Ausbildung aus deinem Heimatland in Deutschland arbeiten oder gab es Probleme?

Maryam: Im Endeffekt habe ich alles zurück gelassen und musste in Deutschland von Null anfangen. Mit meiner bisherigen Schulausbildung und den 4 Semestern Medizin könnte ich hier nichts anfangen. Sie wurden nicht anerkannt.

Wie hast du es geschafft, dass du heute Medizin studieren kannst?

Maryam: Nach 3-4 Jahren habe ich endlich meine Anerkennung bekommen, da war ich aber schon in der Ausbildung zur operationstechnischen Assistentin. Daraufhin habe ich meine Ausbildung abgebrochen um studieren zu können.

Photo by Huib Scholten on Unsplash

Wie nimmst du Deutschland im Gegensatz zu deiner Heimat war? Was vermisst du? Was gefällt dir an Deutschland besser?

Maryam: Hier hat man mehr Möglichkeiten. Man sieht viel mehr. Die Menschen sind hier offener und freier, aber es ist eine ganz andere Mentalität. Es fällt mir immer noch schwer zu sagen, ob ich hier völlig integriert bin. Natürlich vermisse ich meine Freunde und den Humor. Die Wärme dort. Nicht nur auf das Wetter bezogen sondern auch auf die Menschen. Aber hier bin ich sicher. Viele Leute sind hier viel sicherer. Ich werde vom Staat unterstützt und muss für das Studium nicht zahlen. Nur die Semester Gebühren. Das ist schön.

Und zum Schluss: Welchen Rat würdest du Leuten geben, die ähnliche Probleme bezüglich Studium und Arbeit in Deutschland haben?

Maryam: Ich würde jedem raten einfach geduldig zu sein und sein Ziel nicht zu vergessen. Egal wie schwer es ist, einfach weiter machen. Nach der dritten Absage wird man nicht mehr enttäuscht. Natürlich kostet das alles Geld. Aber es lohnt sich.

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