Filme und Serien

“Hollywoodtürke” Review

Türken in Deutschland gibt es viele (ich bin immerhin ein halber davon), repräsentative Filme über Türken in Deutschland leider jedoch nicht. Die wenigen wirklich guten Filme sind oft mehr Drama als Komödie. Handelt es sich um Komödien, sind es meist Filme voller Klamauk und Peinlichkeiten. Als ich den Trailer zu “Hollywoodtürke” das erste Mal gesehen habe, war ich allerdings voller Vorfreude! – Vielleicht endlich ein Film der sich nicht ausschließlich durch Fäkalhumor auszeichnet?

Der Italo-Türke

Alper möchte Schauspieler werden! Allerdings gibt es für Türken (oder Deutsche mit türkischem Migrationshintergrund) scheinbar nur Rollen als islamistische Terroristen oder Drogendealer. Als er von dem Videoprojekt einer Studentin hört, für das italienische Migranten gesucht werden, wird aus “Alper” kurzerhand “Alberto” und das Verwirrspiel beginnt.

Super Idee in Zeiten des Rechtsrucks

Murat Ünal’s Idee – der nicht nur Hauptdarsteller, sondern auch Regisseur und Drehbuchautor ist – ist ohne Zweifel grandios und bis heute in der deutschen Filmlandschaft einzigartig. Als “echter” Deutsch-Türke kennt er die Probleme seinesgleichen aus erster Hand. Deshalb schafft er es die Sorgen und Gedanken seiner (und der nachfolgenden) Generation auszusprechen. Er möchte mit Klischees aufräumen und klagt mit seinem Film den Umstand an, dass Menschen orientalisch/arabischer Herkunft oftmals nur “die Bösen” spielen. Eine Tatsache, die nicht gerade dabei hilft mit Vorurteilen diesen Bevölkerungsgruppen gegenüber aufzuräumen.

Dadurch, dass Menschen orientalisch/arabischer Herkunft fast ausschließlich negativ in Filmen portraitiert werden, sehen sich viele Konsumenten in ihren Vorurteilen bestätigt. Dass Ünal diese, zumindest ein wenig, beseitigen will ist ihm hoch anzurechnen.

In seinem Film zeigt er Deutsch-Türken genauso wie sie sind. Verschieden und ganz unterschiedlich!

Der Wermutstropfen

Auch wenn ich die Motivation, die Storyline und die Idee super finde; so stört mich doch eines sehr: das Schauspiel und die Dialoge. Die letzteren sind oftmals gekünstelt, kitschig und hölzern. An vielen Stellen dachte ich mir “Uff, das ist jetzt aber wirklich dick aufgetragen“. Das ungelenke und unnatürliche Schauspiel lässt eben diese Dialoge noch etwas hakeliger und lächerlicher erscheinen und erinnert leider mehr an eine Theatervorstellung der siebten Klasse als an einen Kinofilm.

Fazit

Obwohl die schauspielerische Leistung und die künstlichen Dialoge mich nicht überzeugen konnten, die Peinlichkeiten mit Fremdschamfaktor doch wieder überwogen, hat dieser Film mir viel Spaß gemacht. Es kommt selten vor, dass Deutsch-Türken eine angemessene Repräsentation ihresgleichen in Film und Fernsehen begutachten können. Vor allem aber regt der Film “Hollywoodtürke” zum Nachdenken an, hoffentlich auch bei denen, die es dringend nötig haben

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